Meine Geschichte für eilige Leser 

Schweineinsulin

Anfang 2013 erkrankte ich an Diabetes mellitus. Zunächst wurde wegen meines Alters (47 Jahre) ein Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes) diagnostiziert. Aufgrund eines von mir erbetenen Bluttests erfuhr ich einige Monate später, dass ich an Diabetes mellitus Typ 1 (sogenannter juveniler Diabetes) litt.

Ich wurde zuerst mit Human- und Analoginsulin behandelt. Später wurde mir ausschließlich Humaninsulin verordnet, weil das Analoginsulin systemische allergische Reaktionen verursacht hatte.

Im weiteren Verlauf mit dem Diabetes mellitus Typ 1 ging es mir immer schlechter. Ich hatte unerwünschte Nebenwirkungen und erhebliche Zeichen von Unverträglichkeiten des Humaninsulins, die bis hin zu apathischen Zuständen und Gedächtnisverlust führten. Diese stellten sich schleichend in einigen Monaten ein. Bei den Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten handelte es sich im Wesentlichen um Herzrasen, erhebliche Schwindelgefühle, stundenlange Konzentrationsschwierigkeiten, eiskalte Hände wie bei einem Schock und Schwächegefühl, inneres Zittern und allgemeines Krankheitsgefühl, Kribbeln im Mund wie bei einer nachlassenden Betäubung beim Zahnarzt, unangenehmes Kribbeln im Gehirn, Ödeme unter den Augen, Kreislaufprobleme, an den Einstichstellen hatte ich häufig Hautreaktionen, die heftig juckten wie Mückenstiche.

Schlimm war auch der Verlust der rechtzeitigen Wahrnehmung von Hypoglykämien, das Humaninsulin, insbesondere das Bolusinsulin wirkte nicht zu den erwarteten Zeitpunkten, sondern unregelmäßig später oder früher oder gar nicht. Aufgrund dessen hatte ich mehrere unerwartete Unterzuckerungen während des Autofahrens, ich bekam Panikattacken und Ängste.

Unterzuckerungen bin ich durch das ständige Messen des Blutzuckers entgangen. Ich habe täglich mindestens 15mal, oft auch noch häufiger den Blutzucker kontrolliert. Einmal wirkte das Insulin, einmal nicht, manchmal wirkte es am nächsten Tag, manchmal gar nicht. Es war einfach unberechenbar geworden.

In Abstimmung mit meinem Diabetologen und nach weiteren Versuchen mit einem Humaninsulin eines anderen Pharmaherstellers sowie eingehenden Recherchen im Internet, ob es weitere Diabetiker und Diabetikerinnen gibt, die an ähnlichen oder den gleichen Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten litten, wollte ich es mit Schweineinsulin versuchen.

Nach einigen Wochen ging es mir mit dem Schweineinsulin immer besser. Die Nebenwirkungen verschwanden und die Unverträglichkeiten ebenfalls. Es dauerte allerdings rund zwei Jahre bis die unerwünschten Nebenwirkungen gänzlich verschwunden waren. Die Ängste beim Autofahren sind leider bis heute geblieben.

Mit dem Schweineinsulin hat sich mein HbA1c-Wert stets verbessert. Es ist mir innerhalb der ICT-Therapie gelungen, einen dauerhaft guten HbA1c mit Werten zwischen 6,0 und 6,5 zu erreichen. Im Rahmen der ICT-Therapie mit dem Humaninsulin war mein bester HbA1c-Wert: 8,5. Des Weiteren benötige ich weniger Einheiten vom Schweineinsulin als mit der Therapie mit Humaninsulin.

Die AOK Rheinland/Hamburg weigert sich mit Unterstützung des MDK beharrlich die Kosten für das lebenswichtige Schweineinsulin zu übernehmen. Schweineinsulin hat in Deutschland seit 2006 keine Zulassung mehr, weil damals der letzte Pharmahersteller Berlin Chemie in Deutschland die Produktion von Schweineinsulin einstellte.

Seit 2015 haben dann zuerst Polen und dann Argentinien die Produktion von Tier-Insulinen für Menschen eingestellt. Es gibt mittlerweile lediglich noch einen einzigen Hersteller von Tier-Insulinen für Menschen weltweit: Der Hersteller Wockhardt sitzt in Grossbritannien und ist Teil eines indischen Pharmakonzerns.

Tier-Insulin war jahrzehntelang das einzige Medikament weltweit für die Behandlung von insulinpflichtigem Diabetes mellitus. Die Herstellung ist allerdings teurer und aufwändiger als die der synthetischen Insuline Human- und Analoginsulin, wobei es sich bei Analoginsulin um ein modifiziertes Humaninsulin handelt. Darüber hinaus ist es für die Pharmaindustrie wesentlich lukrativer Insuline herzustellen und zu verkaufen, für die Patente angemeldet werden können. Das ist ausschließlich bei den synthetischen Insulinen Human- und Analoginsulin der Fall, nicht aber bei Tier-Insulin.

Für Haustiere steht in Deutschland weiterhin Tier-Insulin zur Verfügung. 

Ich schliesse mich der Intention des leider verstorbenen Prof. Dr. Arthur Teuscher, Emeritus Professor of Diabetology University of Bern Medical School Foundation Nutrition and Diabetes, Bern, Schweiz, in seiner Veröffentlichung „INSULIN – A Voice for Choice“, Verlag: S. Karger AG, Basel, Schweiz, erschienen 2007 an:
Die Vielfalt der Insuline muss erhalten bleiben.

In Deutschland müssen Tier-Insuline deshalb wieder zugelassen werden.

Eine Alternative wäre Tier-Insuline unter den Schutz sogenannter Orphan Drugs (als Produkt, das aus wirtschaftlichen Gründen vom Markt genommen wurde) europaweit und weltweit zu stellen.