INSULINE – Human – Analog – Tier

Insulinsorten – Insulinarten

Insuline vom Tier

Als ich zu den Nebenwirkungen im Internet recherchierte, fand ich in vielen Diskussionsforen dazu Beiträge. Zu meiner großen Überraschung stellte ich fest, dass die Insuline, die ich verwendete, synthetisch hergestellte Insuline sind. Mir war bis dahin nicht bekannt, dass in Deutschland Schweineinsulin wegen fehlender Zulassung als Arzneimittel nicht (mehr) zur Behandlung von Diabetes mellitus verwendet wird, weil es in Deutschland die Zulassung in den Jahren 2005/2006 verloren hat. In Deutschland sind vielmehr zwei synthetisch hergestellte Insulinsorten zugelassen: Humaninsulin und Analoginsulin.

Humaninsulin war das erste Medikament in Deutschland, welches Anfang/Mitte der 1980er synthetisch gentechnisch verändert hergestellt worden war. Als erstes gentechnisches Medikament wurde es Anfang der 1990er Jahre in Deutschland zugelassen. Diese Herstellungsmethode war wesentlich kostengünstiger als die aufwändige Reinigung des Schweineinsulins. Und wichtig: Es kann in viel größeren Mengen hergestellt werden. Im Hinblick auf immer mehr an der Wohlstandskrankheit Diabetes mellitus Typ 2 erkrankten Menschen ist das ein großer Fortschritt. Das Schweineinsulin würde schon allein mengenmäßig nicht ausreichen, um alle insulinpflichtigen Diabetiker und Diabetikerinnen versorgen zu können.

Eine sehr gute Übersicht über die verschiedenen in Deutschland erhältlichen Insuline findet sich im Internet von Prof. Dr. Theo Dingermann, Universität Frankfurt am Main, Fachbereich 14 Biochemie Chemie Pharmazie): http://user.uni-frankfurt.de/~dingerma/Podcast/Rekombinante_Wirkstoffe_SS09_10.pdf
Bei Analoginsulinen handelt es sich demnach um modifizierte Humaninsuline (siehe Seite 12 und 13 in der Präsentation). 

Die AOK Rheinland/Hamburg weigert sich mit Unterstützung des MDK beharrlich die Kosten für das lebensnotwendige Schweineinsulin zu übernehmen. Schweineinsulin hat in Deutschland seit 2006 keine Zulassung mehr, weil damals der letzte Pharmahersteller Berlin Chemie in Deutschland die Produktion von Schweineinsulin einstellte.

Seit 2015 haben dann zuerst Polen und dann Argentinien die Produktion von Tier-Insulinen für Menschen eingestellt. Es gibt mittlerweile lediglich noch einen einzigen Hersteller von Tier-Insulinen für Menschen weltweit: Der Hersteller Wockhardt sitzt in Grossbritannien und ist Teil eines indischen Pharmakonzerns.

Tier-Insulin war jahrzehntelang das einzige Medikament weltweit für die Behandlung von insulinpflichtigem Diabetes mellitus. Die Herstellung ist allerdings teurer und aufwändiger als die der synthetischen Insuline Human- und Analoginsulin, wobei es sich bei Analoginsulin um ein modifiziertes Humaninsulin handelt.

Für Haustiere steht in Deutschland weiterhin Tier-Insulin zur Verfügung.

Ich schliesse mich der Intention des leider verstorbenen Prof. Dr. Arthur Teuscher, Emeritus Professor of Diabetology University of Bern Medical School Foundation Nutrition and Diabetes, Bern, Schweiz, in seiner Veröffentlichung „INSULIN – A Voice for Choice“, Verlag: S. Karger AG, Basel, Schweiz, erschienen 2007 an:
Die Vielfalt der Insuline muss erhalten bleiben.

In Deutschland müssen Tier-Insuline deshalb wieder zugelassen werden.

Eine Alternative wäre Tier-Insuline unter den Schutz sogenannter Orphan Drugs (als Produkt, das aus wirtschaftlichen Gründen vom Markt genommen wurde) europaweit und weltweit zu stellen.